Stehende Figuren sind unter den Objekten aus Benin häufiger zu finden. Meist werden der Oba und seine Dienerschaft dargestellt. Weibliche stehende Figuren sind allerdings sehr selten.
Obwohl es sich theoretisch um jede Frau aus dem Harem des Königs handeln könnte, geht die neueste Forschung wegen der auffälligen immer wieder auftretenden Sockelverzierung mit Pfeil und Bogen jedoch von einer eindeutigen Zuordnung aus. Sowohl der Pfeil als auch der Bogen gelten als Attribute von Ake, dem Gott des Bogenschießens. Diese unbekleidete Figur stellt folglich seine geliebte Ehefrau dar, die nach ihrem Tod ebenfalls zur Göttin erklärt wurde.
Stilistisch weicht diese Figur von den meisten Objekten aus Benin ab. Frisur, Körperschmuck und die Form der Beine verweisen eher auf die Yoruba. Nur Halsschmuck und Stirnnarben zeigen das Objekt in der Beniner Gießer-Tradition.
Nach William Fagg sind Sockel und Körper typisch für die Übergangsphase von der mittleren zur späten Benin-Periode. Den Stil des Kopfes einer sehr ähnlichen Figur aus dem Berliner Ethnologischen Museum ordnet er Yoruba und den Bronzewerkstätten am unteren Niger zu. Bezüglich der Einteilung in frühe, mittlere und späte Periode müssen allerdings Korrekturen gefordert werden, insbesondere wenn man - so wie wir - von einer über 1000-jährigen Tradition ausgeht.
Vgl.:
William B. FAGG: Bildwerke aus Nigeria, München 1963, S. 68.
Tom Phillips (Hg.): Afrika. Die Kunst eines Kontinents. München 1996, S. 398.
Barbara PLANKENSTEINER (Hg.): Benin. Könige und Rituale. Höfische Kunst aus Nigeria, Wien 2007, S. 438.
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