Galerie Peter Herrmann

Pos1
Ancient Art from Africa - Benin & Ife
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Thermolumineszenz - Expertise

Udo-Kopf
Nigeria
um 1640
Bronze
28 cm

Udo-Kopf:
 

Die Schönheit dieses kleinen Kopfes erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Etwas merkwürdig erscheint die sehr hohe Platzierung der Ohren. Da jedoch die gleiche Eigenschaft bei einem ähnlichen Kopf im Ethnologischen Museum Berlin auftaucht, wo er bis zum 25. Mai 2008 in der Ausstellung “Benin - 600 Jahre höfische Kunst aus Nigeria” zu sehen war, können wir davon ausgehen, dass diese Eigenheit als bewusstes Stilelement eingesetzt wurde. Ansonsten überzeugt der Kopf durch einen sehr sympathischen ruhigen Gesichtsausdruck. Diese - nach Fagg offensichtlich - ländliche Version des Benin-Stils ist sehr gut erhalten und hat keine Fehlstellen.

Als ungewöhnlich fällt neben den vielen kettenähnlich angelegten Löchern am Hals ein eckiges Loch am Hinterkopf auf. Schon um 1900 beschreibt Felix von Luschan diese Eigenschaft an sechs ihm bekannten vergleichbaren Objekten, die er übrigens noch für Kinderköpfe hielt. Über die Funktion dieses sonst in der Benin-Kultur nie auftauchenden Fensters stellt er die vage Vermutung an, dass es mit der Entfernung des Tonkerns zusammen hängen könnte. Wenn diese Funktion tatsächlich wichtig gewesen wäre, dann hätten andere Köpfe ein ähnliches Loch aufweisen müssen.

Luschan beschreibt am Beispiel des Berliner Kopfes, dass sich hinter dem rechten Ohr nach einer Tradition in Benin ein Zopf und hinter dem linken zwei Zöpfe befinden. Offensichtlich muss es jedoch verschiedene Formen der Zopfverteilung gegeben haben. Denn neben der von Ibo-Köpfen bekannten Stufenfrisur befinden sich hier unter den zwei hörnerähnlichen Verzierungen rechts und links jeweils zwei geflochtene Zöpfe.



Vgl.:
Felix von LUSCHAN: Die Altertümer von Benin, Band 1, Berlin 1919, S. 358.
William B. FAGG: Bildwerke aus Nigeria, München 1963, Abb. 56.




Vergleichsobjekte:  

Abbildungen:

Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin
 

Felix von LUSCHAN: Die Altertümer von Benin, Band 3, Berlin 1919, Tafel 57, 58.