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Um beim Dümmsten zu beginnen. Einige Wissenschaftler behaupten allen Ernstes noch heute, bei Bronzen aus der Benin-Kultur seien nur jene authentisch, die bei einer Militärexpedition der Briten 1897 als Vergeltung aus dem Palast des Königs "mitgenommen" wurden. Andere gäbe es nicht. Um es auf den Punkt zu bringen: ein reaktionäres Gefasel ohne jegliche Beweise. Ungefähr so geistreich wie: Es gibt keine französische Kunst ausser die im Louvre.
Die Begründung für diese Haltung ist so einfach wie naiv: Da die Beurteilung der Bronzen durch Expertisen zu umstritten sei, ergibt sich, dass die einzigen, die mit Sicherheit über alle Zweifel erhaben sind, jene seien, die vom Militär nach Europa verbracht wurden. Der Beweis für die Echtheit ist die Seriosität des Einsatzes. Da somit alle anderen Objekte mit Zweifel behaftet sind, gelten sie als nicht echt, weil die Provenienz nicht beweisbar sei. Nicht beweisbar, weil nicht als Gegenstand einer Feldforschung eines Ethnologen dokumentiert. Nicht echt ist falsch und wer diese Objekte hat ist Fälscher oder Akteur eines Fälscherrings.
Dass aber Expertisen immer wieder Zankapfel sind, liegt wiederum genau an derselben Gruppe von Museumsethnologen, die nicht nur jeden Klärungsansatz verhindern, sondern mit ihrer rigiden Haltung unter Betonung ihrer Autorität den Streit unter Händler und Sammlern permanent neu entfachen. Um sich der Verantwortung als Streitverursacher zu entziehen, schildern sie Versuche zur Klärung als Wertsteigerungspolitik eines profitsüchtigen Marktes mit dem sie nichts zu schaffen haben möchten. Ihre eigene Seriosität bestätigen sie sich selbst, indem sie die Unabhängigkeit von Wertschaffung betonen und die Objekte als bedeutungsvolle Ausdrucksmittel und Werkzeuge gesellschaftlicher Interaktionen sehen. Dabei sei die Menge der vorhandenen Objekte nicht von Bedeutung. Dem Streit, von ihnen selbst verursacht, entziehen sie sich in einer Mischung von Feigheit und Arroganz mittels ihres selbst geschaffenen Dogmas.
Hase auf Wolke sieben.
Bei genauer Betrachtung spielt sich hier in einer Endlosschleife das Märchen von den bedrohlichen Massenvernichtungswaffen eines Saddam Hussein ab. Um einen Plünderungsfeldzug zu rechtfertigen wurde im Vorfeld von den britischen Kolonisatoren das Märchen von der sozialen Dekadenz und dem Niedergang einer Kultur in die Welt gesetzt und noch schön mit nicht bewiesenen Menschenopfern garniert. Nach einem provozierten Zwischenfall wurde der Palast geplündert und das Diebesgut gewinnbringend an Museen wie Berlin, Wien und Stuttgart verkauft.
Wie immer man nun Bronzen aus meiner jetzigen Ausstellung betrachtet, eines ist gewiss: Die meinen sind nicht gestohlen sondern bezahlt und niemand musste sein Leben lassen. Hier dürften wir auch den Schlüssel in der Hand haben um das dämliche Herumgetue einiger Museumsleute zu verstehen. Da bei genauer Betrachtung die geschichtliche Interpretation des Siegers eine hingebogene Geschichte ist, muss man das, was nicht passt als Dogma behaupten. Ife und Benin sind Adam und Eva. Plötzlich waren sie da und gebaren Legenden. Das Paradies war eine Hochkultur, schön systematisch geordnet in Geschichtlein und Geschichten. In hohe und mittlere Phasen. Mit Bezugssystemen, die aus oraler Tradition gefischt, von der Vermutung zur Behauptung mutierten. Könige und Herrscher lesen sich wie alttestamentarische Überfiguren, absolutistische Gottgleichheiten wurden fabuliert und der Sündenfall war das vermeintliche Opfern von Menschen, worauf die Vertreibung aus dem Paradies 1897 als gerechte Strafe folgte.
Der Tonkern aus dem Adam geformt wurde, ist so heilig, dass man ihn keiner Thermolumineszenz-Expertise aussetzen darf. Beseelt vom Odem der Afrikanisten enstand Eva aus seiner Rippe und durfte noch eine untergesetzte Rolle als Königinmutter spielen. Neben dem Gottgleichen, aber nicht Göttinnengleich.
Aus dieser absolutistischen Herleitung wurde, um einen möglichst hohen Wert zu erzielen, das Märchen von der königlichen Exklusivität in die Welt gesetzt. Dass schon Felix von Luschan, der Direktor des Berliner Museum für Völkerkunde kurz nach 1900 annahm, es müsse noch ein grosses Kontingent an versteckten Bronzen geben, wurde zugunsten des Siegerprofits unter den Teppich der Geschichte gekehrt. Doch seit etwa 30 Jahren tröpfeln unaufhaltsam hunderte von Bronzen auf den Weltmarkt. Sie wurden zunächst einzeln, exklusiv und königlich am Markt angeboten. Kamen sie von einem renommierten Händler oder einer gut gehipten Sammlung, wurde das Objekt zwischen 100.000 und 2 Millionen Euro zugeschlagen. Niemand aus dem Museum kam auf die Idee, einen Skandal mit Sotheby's, Druot oder Christies anzuzetteln, obgleich sehr wohl bekannt war, dass fast alle solchermassen angebotenen Objekte nicht aus dem nummerierten Kontingent der Plünderungsrazzia stammten.
Kam die gleiche Qualität von einem Sammler oder Händler ohne grossen Namen auf den Markt, wurde er dermassen abqualifiziert, dass plötzlich nur noch Preise von 1.000,- bis maximal 30.000,- Euro erzielt wurden. Zum Leidwesen für den Kunden hatten diese Objekt dann auch einen entsprechend schlechten Wiederverkaufswert.
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