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Danach ging es mit einer angekündigte Roundtable Discussion weiter, wegen der ich auch hauptsächlich nach Wien gereist bin. Mit erheblicher Verspätung setzten sich die Angekündigten an einen rechteckigen Tisch in Reihe und begannen, nicht zu diskutieren.
Lieber Leser, kennen Sie diesen langsam anrollenden Grimm. Wenn etwas, an das große Erwartungen geknüpft waren, Stück für Stück zu einer Enttäuschung wird und danach das Gefühl von Ent-täuscht zu Ge-täuscht wechselt? Wenn zwei Tage Schlange an der Thermoskanne und der heroische Kampf gegen Schlaf für nichts gut gewesen sein soll?
Eröffnet wurden die erneuten Vorträge mit einem Foto auf der großen Leinwand das dümmer nicht sein konnte. "Benin as Trademark. The Production and Market of Fake Benin Bronzes" hieß der Titel der Diskussion die zunächst keine war und zu der das Foto paßte wie die Aussage, dieser Strich ist ein Kreis. Zwei riesige Köpfe im Stile derer von Benin standen neben einem Schwimmbecken. Die Fotografie schien einer innenarchitektonischen Zeitschrift entnommen zu sein. Ein ansprechendes luxuriöses Ambiente, wovon auch wissenschaftliche Beamte gerne träumen. Das Foto hatte nur einen entscheidenden Haken, der bei einer Benotung in der Schule wegen Thema verfehlt eine vierbisfünf gegeben hätte. Frau Plankensteiner, Sie als Symposiarchin, stellen Sie sich vor, eine Vier Bis Fünf! Ihnen?
Diese zwei Köpfe waren schönes Kunsthandwerk. Sie wurden als solches hergestellt, damit sie jemand erfreuen, der ästhetisch einrichtet. Wir wissen nicht für wieviel der Besitzer diese Köpfe eingekauft hat aber ich nehme kaum an, dass er eine Million Eurothaler ausgegeben hat um dann die Objekte seiner Begierde neben einen Pool zu stellen.
So also sieht eine Fälschung in den Augen der ethnologischen Gilde aus? Dafür gehört ihnen pädagogisch eine an die Löffel. Fake heisst auf Deutsch und Österreichisch - Fälschung, gefälscht Schwindel. Die Behauptung Fälschung unterstellt Betrug. Ein juristischer, geschäftsschädigender, ehrverletzender, unverschämter Terminus, wenn er nicht stimmt. Wie an diesem Beispiel. Eine kunsthandwerkliche Replik ist keine Fälschung. Verstehen Sie den Unterschied Herr und Frau Ethnologe? Sie kann in Indonesien, Kamerun oder in Benin hergestellt sein, was absolut nichts zur Sache tut. Solange sie als legale Replik verkauft wird, zu einem dafür angemessenen Preis und niemandem vorgetäuscht werden soll, es handele sich um ein Original aus dem sechzehnten Jahrhundert, ist jede falsche Behauptung, wie die von Ihnen pauschal immer wiederholte, schlicht Diskriminierung und Beleidigung. Wenn sie nicht lernen hier achtzugeben, könnte man diese haltlosen Unterstellungen ganz interdisziplinär mal von Juristen prüfen lassen.
In diesem Stil wurden die Vorträge gehalten und ich begann, mit meinem Hintern unruhig von links nach rechts auf dem Stuhl zu rutschen und immer öfter auf die Uhr zu schauen. Ein Herr Berswordt-Wallrabe erläuterte, wie er von fünf Personen, die er für Experten hielt, sechs Meinungen zu seinen gekauften Bronzen bekam und nun nichts mehr wisse. Er sei wohl bei mir in meiner Ausstellung gewesen, was ihn aber auch nicht mit neuem Bewußtsein durchflutete. Dass er dies erwähnte, gab mir für einen Moment das Gefühl von Bedeutung, bis ich schmerzlich daran erinnert wurde, dass dies im Rahmen einer Fälschungsdiskussion stattfand, wofür ich ihm auch gerne eine an die.... Jedenfalls kann ich diesen meist anonym in den Ausstellungen auftretenden Entlarvern die ewige Verdammnis in der Hölle der Unsicherheit wünschen.
Wofür benötigt man jemand auf dem Podium, der betont nichts zu wissen? Ich dachte, so was gehört in eine Talkrunde für Selbstfindungen mit dem Fernsehpfarrer? Jemand, der nach eigenem Bekunden keinen Standpunkt definieren kann, beginnt, andere Personen in Frage zu stellen und zu kritisieren? Als er mit dem Stuss des Einbringens von Gußkern begann und wie üblich nicht erklären konnte wie das gehen solle, tauchte die ehrlich gemeinte Frage auf: Aus welchem Grund setzt man solch eine Person aufs Podium?
Diese Frage konnte dann an die nächste Person weitergegeben werden, der mir als Experte für Kamerun angekündigt wurde. Sein langer, langsam vorgetragener Vortrag, schon wieder mit Diashow, zeigte nun Kameruner Gießer beim Herstellen von Airport-Art. Bei jedem seiner Fotos konnte der Vortragende eindeutig nachweisen, dass das Objekt auf dem Foto eine Nachbildung von diesem und jenen Original aus Benin wäre. Jetzt platzte mir der Kragen und ich unterbrach Herrn Krejsa* in seiner gedehnten Ausführung mit eben jenem Hinweis, dass es sich, wie oben beschrieben, mitnichten um Fälschungen handele, und ich, unter Zeitdruck wegen eines Flugzeugs, doch gerne über das reden wolle, weswegen ich von Berlin nach Wien kam. Über Fälschungen.
Zunächst standen nach mir zwei der Referenten aus Nigeria auf und bestätigten meine Ausführungen. Der Herr auf dem Podium hat, wie ich es bei Sammlern und Ethnologen öfters erlebe, nicht gemerkt, wie er die anwesenden Personen, namentlich Herr Inneh als Gildemeister, diskriminiert und, streng genommen, sogar kriminalisiert. Auch Gießer der Gilde in Benin stellen Repliken alter Motive her. Man konnte sie in den Vitrinen am Eingang des Museums sehen und erwerben. Gehört hier wirklich soviel Hirnschmalz dazu, den Unterschied von Replik und Fälschung zu begreifen? In der logischen Konsequenz dieser verbogenen Interpretation wäre das Museum selbst Verkäufer von Fälschungen.
Nachdem dergestalt, mit eineinhalbstündiger Verspätung nun tatsächlich doch so etwas wie eine Diskussion entstand, mußte ich leider mittendrin gehen und mir den unergiebigen Fortlauf später erzählen lassen. |